News

Grünes Gewissen zahlt sich für den Handel aus

Laut A.T. Kearney-Studie geben die Verbraucher für gesunde Lebensmittel und umweltgerechte Verpackung gerne mehr aus

München. Ökolebensmittel sind längst nicht mehr nur eine Domäne von Reformhäusern. Für den gesamten Lebensmitteleinzelhandel spielen Produkte aus biologischem Anbau eine immer wichtigere Rolle. Doch die Verbraucher verlangen noch mehr. Sie erwarten vom Handel einen umfassend nachhaltigen Ansatz, so das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von A.T. Kearney und der Universität zu Köln. Dafür sind sie auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen.


Wettbewerbsvorteil
Die generelle Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Ökologie und gesellschaftlicher Verantwortung hat die Mehrzahl der befragten Unternehmen bereits erkannt, und 83% engagieren sich schon mit entsprechenden Projekten – von eigenen Biomarken über den Einsatz erneuerbarer Energien, die Reduktion von Schadstoffen, die Vermeidung von Tierversuchen, den Verzicht auf genetisch veränderte Produkte, etc.

„Die Unternehmen können aus einer großen Bandbreite an Möglichkeiten wählen“, so Mirko Warschun, Autor der Studie „Sustainability in Food Retailing Markets“. „Wichtig bei der Wahl der richtigen Maßnahme ist es, die eigene Situation detailliert zu bewerten und gegenüber der Situation des Wettbewerbs zu analysieren, welche Initiativen die sinnvollsten sind. Blinder Nachhaltigkeitsaktionismus allein bringt nichts.“


Besseres Image
Neben einer deutlichen Differenzierung vom Mitbewerb erwartet sich der Lebensmittelhandel vor allem auch eine Imageverbesserung. „Nach wie vor ist die Differenzierung durch ein stringent auf- und umgesetztes Nachhaltigkeitskonzept ein Wettbewerbsvorteil, denn viele Unternehmen sind hier noch längst nicht konsistent aufgestellt“, so Warschun weiter. Finanzielle Vorteile des grünen Engagements sehen 59% der befragten Unternehmen bereits heute. Die Studie zeigt nämlich eindeutig, dass die Verbraucher in hohem Maße bereit sind, die Nachhaltigkeitsbemühungen des Handels auch monetär zu honorieren.

„Österreichische Kunden legen ebenso wie deutsche und schweizerische Kunden großen Wert auf nachhaltig produzierte Produkte. Insbesondere in den Produktkategorien Milch, Fleisch und Pflege sind besonders viele Kunden bereit, sogar zweistellig mehr gegenüber traditionell angebotenen Produkten zu bezahlen“, erläutert Warschun.
Vielfach sind sich die Unternehmen dieses Umstandes aber noch nicht in vollem Umfang bewusst und das preisliche Potenzial der Nachhaltigkeit liegt großteils noch brach. Insbesondere ausgewählte Frischeprodukte böten, so die Studie, ein für den Handel besonders attraktives Feld.

„Allerdings ist es wichtig, die möglichen Preissteigerungen nicht durch Kostensteigerung im Einkauf sowie in der Ausrichtung der internen Unternehmensprozesse auffressen zu lassen. Obwohl also insgesamt erhebliche Potenziale zu holen sind, ist es kein Selbstläufer und erfordert eine sorgfältige Planung“, so Warschun weiter.


Öko zahlt sich aus
Besonders stark ausgeprägt ist das ökologische Gewissen in der Gruppe der 35- bis 50jährigen Konsumenten. Und auch das Klientel der Discounter zeigt sich bei diesem Thema überdurchschnittlich sensibel. Wer hauptsächlich in Super- und Drogeriemärkten seine Einkäufe tätigt, misst der Nachhaltigkeit dagegen offenbar weniger Bedeutung bei.

„Discounter haben ein sehr viel kleineres Produktangebot als Supermärkte und Drogerien. Mit der Einführung von Bio-Eigenmarken rücken diese Produkte sehr viel stärker in das Bewusstsein der Kunden, da diese in den Regalen stärker wahrgenommen werden“, erklärt Warschun. „Ebenso scheinen die Discounter eine einfacher verständliche Kommunikationsstrategie zu fahren und deshalb kommt die Botschaft eher beim Endverbraucher an.“

Die Studie zeigt auch, dass sich die Wahrnehmung von Unternehmen und Verbrauchern, was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, stark unterscheidet. Die Kunden sind meist noch unzufrieden damit, wie der Einzelhandel Nachhaltigkeit umsetzt und kommuniziert und nur zwölf Prozent der befragten Kunden glauben, dass sich ihre Händler ausreichend mit diesem Thema beschäftigen. Die Unternehmen dagegen sind der Ansicht, dass zumindest 25% der Kunden über die grünen Aktivitäten informiert sind. Allerdings kommuniziert erst die Hälfte der österreichischen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten auch aktiv – von den Schweizer Unternehmen tun dies bereits 75%.

Warschun dazu: „Die richtige Kommunikation ist ein wichtiger Punkt; allerdings ist aufgrund der Vielfalt an verschiedenen Standards der Kunde auch verunsichert darüber, was er tatsächlich von Einzelhändlern zu erwarten hat. Unternehmen müssen daher aufpassen, dass sie glaubwürdig mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen. Die Initiativen müssen so vom Kunden wahrgenommen werden, dass dem Unternehmen an dem Thema wirklich etwas liegt und es nicht um die Profitabilität alleine geht.“


Quelle: Medianet.at